Interessanterweise.

Interessanterweise bin ich.
Und interessanterweise mag ich wer ich bin.
Ist das schlimm?
Denn offenbar –
kommen nicht alle mit mir klar. Interessanterweise.
Dabei bin ich einfach nur wie ich bin:
Interessant, manche sagen sogar weise.

Für manch andere jedoch bin ich nichts.
Daher bin ich oftmals leise.
Und unterstreich das Wörtchen „nichts“ damit –
auf interessante Weise.
Ich frag mich dann und bin ganz still:
Mag ich wirklich wer ich bin?
Und bin ich wie ich mich will?

Doch dann fang ich laut zu lachen an, sage: „Dummer Hund.“
Denn das ist alles bloß mein Kopf –
der erzählt mir gerade Schund.
Und wie aus dem Nichts, auf interessante Weise,
sind dann meist die anderen –
mucksmäuschenstill und leise.

Ich grins dann fröhlichst vor mich hin,
mag mich wieder, wie ich bin.
Und interessanterweise,
macht mich dies auf interessante Weise,
nicht nur durchaus interessant –
sondern auch interessiert und weise.

Steak

Manchmal mach ich mir ein Steak.
Und wenn es dann da so liegt, dann denk ich:
Du bist ja genauso wie ich.
Außen etwas härter, innen ganz weich.

Und wenn ich dann das Blut seh,
dann weiß ich,
dass auch in etwas Totem
noch ein wenig Leben ist.

Pergament und Staub

Uhrenticken.
Klicken eines Metronoms.
Tage fallen wie Laub.

Brodeln in der Lunge,
schneller Herzensschlag,
Pergament und Staub.

Eine Schwester, die nach Kippen riecht –
Pflichtfernsehprogramm.
Sechs Enkel und drei Kinder,
alle wollen mal ran.

Einmal drücken, etwas sagen.
Eine Klärung, letzte Fragen.
Graue Augen voller Tränen,
bis sie alle alsbald gehen.

Uhrenticken.
Klicken eines Metronoms.
Tage fallen wie Laub.

Husten in der Lunge,
schwacher Herzensschlag,
Pergament und Staub.

Nur sie bleibt dort, ganz allein –
betrachtet ihre Hände.
Geht in Gedanken durch Jahrzehnte,
geht durch Wände bis ans Ende.

Klein und zart und fahl und fleckig.
Das letzte Lachen: Laut und dreckig.
Sie schließt die Augen, unausweichlich –
ohne Tränen, die gabs schon reichlich.

Uhrenticken.
Klicken eines Metronoms.
Tage fallen wie Laub.

Brodeln in der Lunge,
letzter Herzensschlag,
Pergament und Staub.

Den Mut verlieren

Bloß nicht den Mut verlieren,
wenn alles knackt und rumpelt.

Bloß nicht den Mut verlieren,
wenn Sehnen knarzen, Zähne nagen,
das Boot im Winde schunkelt.

Bloß nicht den Mut verlieren,
bei all den Mauern, all den Scherben.
Und bloß nicht den Mut verlieren,
wenn die ersten Freunde sterben.

Bloß nicht den Mut verlieren,
bloß nicht den Mut verlieren …

Wer hat das wohl gesagt? Ein Einarmiger?

Ein Einarmiger, der mit beiden Händen das Leben hantiert?
Ein Keinbeiniger, der ohne Füße am Boden regiert?

Bloß nicht den Mut verlieren,
bloß nicht den Mut verlieren –
leichter gesagt als getan.

Bloß nicht den Mut verlieren,
doch irgendwas ist da auch dran.

Irgendwann da kommt dein Deckel,
und Fremde schminken dein Gesicht.
Der letzte Schein der Hoffnung trügt –
es ist der vom roten Grabeslicht.

Bloß nicht den Mut verlieren,
bloß nicht den Mut verlieren –
ja, leichter gesagt als getan.

Doch machen kannst dann gar nichts mehr,
nicht mal blöde gucken.
Drum gib Vollgas, geh auf Risiko,
fang an, lass endlich jucken.

Bloß nicht den Mut verlieren,
bloß nicht den Mut verlieren –
Oh ja, da ist was dran.

Bloß nicht den Mut verlieren,
bloß nicht den Mut verlieren –

und vor allem nicht den Mut dens braucht –
den Mut um zu verlieren.

Ein frohes neues Jahr.

 

Der Taugenichts

Gott, lieber gnädiger Gott,
wozu das ganze Gehampel?
Strampel, strampel, strampel, strampel!

Hattest du keine bessere Idee,
als zu zeigen mir, wie es gar nicht geht?
Hattest du keine bessere Idee –

als nur zu zeigen mir, wie man sich dreht?

Was ist die Lösung des Problems?
Die Ausschneidung des Empyems?

Des Dingens, das da nicht hingehört,
des Dingens, auf das niemand hört.

Ein abgekapseltes Dasein, unter allen Augen,
der Größte von ihnen allen,
unter denen, die nichts taugen.

Seele baumeln

Wenn ich durch die Strassen geh,
tut mir meine Seele weh.
Was ist das für eine Scheisse heute?
Ständig betteln –
nur die falschen Leute.

Gibst dich auf, legst dich hin,
und trotz allem:
Kein Verschnauf –
und auch kein Sinn.

Zahlen sollst du,
noch und nöcher.
In den Hosen:
Riesenlöcher.

Sammelst Flaschen,
räumst dabei auf,
kommts Ordnungsamt,
kriegst noch was drauf.

Drum klaust du dir `nen Strick,
ganz schick.
Und hörst auf mit diesem Taumeln –

machst einen Knoten,
richtig dick,
und lässt die Seele –

nur noch baumeln.